2016-2010

CZG on tour mit dem Weinberg pur!

Anlässlich des Jubiläums "200 Jahre Rheinhessen" ging die Carl-Zuckmayer-Gesellschaft im Juni mit dem Lustspiel "Der fröhliche Weinberg" von Carl Zuckmayer auf Tournee. Sie konnten zwischen den Spielorten Bingen (Park), Zornheim (Lindenplatz) und Nackenheim (Rathausplatz) wählen.

 
Carl und Eduard Zuckmayer im Ersten Weltkrieg
Literarisch-musikalische Präsentation am 29. Oktober 2015 im MVB-Forum

 

Im Mittelpunkt dieser Lesung standen die einschneidenden Weltkriegsjahre 1914–1918, geschildert aus dem ganz persönlichen Blickwinkel von Carl und Eduard Zuckmayer. Neben literarischen und autobiografischen Texten wurden, quasi als Zeitkolorit, auch Zeitungsartikel und Auszüge aus der Kriegschronologie eingeblendet. Die Präsentation endete jedoch nicht mit dem Waffenstillstand im November 1918. Vielmehr wurde der durch das Kriegserlebnis geprägte künstlerische Werdegang der beiden in Nackenheim geborenen und in Mainz aufgewachsenen Brüder bis hin zur Emigration nachgezeichnet. Sie führte den Schriftsteller Carl über Zwischenetappen in die USA und den sechs Jahre älteren Musikpädagogen Eduard in die Türkei, wobei auch die teilweise unveröffentlichte Korrespondenz der Brüder einbezogen wurde.

Präsentiert wurde die Veranstaltung, die neben literarischen auch musikalische Entdeckungen versprach, von Peter Krawietz, Präsident der Carl Zuckmayer-Gesellschaft, Silvia Bungert und den beiden CZG-Ensemblemitgliedern Susanne Malzahn und Jochen Stiller. Der Pianist Jan Brach (Musikhochschule Mainz) hatte auf der Basis von kaum bekannten Klavierstücken von Eduard Zuckmayer improvisiert und der Bariton Stefan Keylwerth (Staatstheater Mainz) ausgewählte zeitgenössische Lieder vorgetragen.

 

„O Sonntagsschmaus, o Gaumenwonne!“

Ein literarisch-kulinarischer Abend am Freitag, 15. März 2013, 19:00 Uhr
im Landhotel Multatuli, Ingelheim

gestaltet von Ensemblemitgliedern der Carl Zuckmayer-Gesellschaft

Lesen und Essen sind vergleichbare Geschehnisse, im besten Fall vergleichbare Genüsse, die miteinander in Wechselwirkung stehen und alle Sinne ansprechen. Wir luden Sie ein, aus Carl Zuckmayers ureigener Perspektive mehr über das Essen zu erfahren und essend über das Vorgelesene nachzudenken. Die von Stefanie Lattreuter, Jochen Stiller und Herbert Steinbauer dargebotene und von Dr. Susanne Buchinger konzipierte szenische Lesung eröffnete eine literarische Schau auf viele Tische, die Teilnahme an zahlreichen Mahlzeiten und ergänzte das von Zoltan Djolai (Landhotel Multatuli) fein abgestimmte Fünfgangmenü auf das Trefflichste.

Der lebensbejahende Schriftsteller war beileibe kein Kostverächter. Als ausgewiesener Genussmensch wusste er einen guten Tropfen Wein und eine wohlschmeckende Mahlzeit durchaus zu schätzen. Das vermitteln auch seine literarischen Arbeiten. Wir haben köstliche, kostbare Textstellen aus seinen Werken in Beziehung gestellt, wodurch sich überraschend neue Perspektiven eröffneten. Es entstand ein Ess-Panorama der verschiedenen ‚Heimaten’ Zuckmayers, eine Aus-lese im besten Sinne, die unterschiedliche Lebens- und Essgewohnheiten, divergierende soziale Gruppen und wechselnde Zeitebenen in Vers wie Prosa lebendig werden liessen.

Trotz vielfältiger Assoziationen, Bilder und Figuren zog sich ein roter Faden durch das Programm: die teils von überschäumender Lebensfreude geprägten, teils kärglich-bitteren Lebensstationen des in eine Nackenheimer Weinkapselfabrikantenfamilie hineingeborenen und in Mainz aufgewachsenen Schriftstellers. Nach vierjährigem Kriegsdienst an der Westfront avancierte er im Berlin der Zwischenkriegsjahre mit seinen Theaterstücken Der fröhliche Weinberg und Der Hauptmann von Köpenick bald zu einem der erfolgreichsten Nachwuchsautoren. Die jeweilige Umgebung, sei es das vertraute rheinhessische Hügelland oder die Berliner Stadtluft, beeinflussten auch seine Essgewohnheiten. Der literarische und gesellschaftliche Erfolg allerdings währte nicht lange. Nur wenige Jahre später wurde der Autor von den Nationalsozialisten als „halbjüdischer Asphaltliterat“ gebrandmarkt. Noch 1933 ging Zuckmayer mit seiner Frau Alice und den beiden Töchtern in die Emigration. Nach Henndorf im Salzburger Land folgten als Exiletappen Chardonne am Genfer See und später die Backwoods Farm im amerikanischen Vermont, wobei sich die Erfahrungen in der Fremde selbstverständlich auch auf ihrem Speiseplan niederschlugen. Nach Kriegsende kehrte Zuckmayer – trotz zahlreicher Arbeitsaufenthalte in Deutschland, vor allem im Kontext seines vieldiskutierten Dramas Des Teufels General – bewusst nicht nach Deutschland oder Österreich zurück, sondern übersiedelte mit Alice ins schweizerische Saas-Fee.

Der kulinarische Genuss kam bei unserer literarischen Lesung, die uns durch vier Länder auf zwei Kontinenten führte, nicht zu kurz, sondern ergänzte und verfeinerte das Gehörte.

Zuckmayers Weinwelten. Eine literarische Weinprobe der CZG 
am  21. August im Weingut OC, Nierstein

 

Die Carl-Zuckmayer-Gesellschaft veranstaltete am Dienstag, dem 21. August 2012 um 20 Uhr im Rahmen der Reihe „Kultur um 8“ eine Weinprobe besonderer Art. Zu Gast beim Niersteiner Weingut OC (Wörrstädter Straße 19) bot sie Auserlesenes aus Zuckmayers literarischem Werk und dazu abgestimmte Kostproben aus dem dortigen Keller. Das Thema klingt zunächst nach ausgetretenen, wohlbekannten Pfaden. Die CZG, vertreten durch Peter Krawietz, Stefanie Lattreuter und Jochen Stiller, habwn jedoch in einer gut einstündigen szenischen Lesung unter Beweis gestellt, dass es neben der populären Weinpoesie auch unbekanntere, reizvolle Texte des Schriftstellers rund um den Wein zu entdecken gab. Es war eine Veranstaltung, die alle Sinne ansprach, insbesondere die Augen, um das wunderschöne Weingutambiente zu erfassen, die Nase, um die jeweilige Weinblume wahrzunehmen und die Ohren, die aufnahmebereit waren für die Texte rund um den Wein.

 

Dass Carl Zuckmayer eine besondere Beziehung zum Wein, vor allem zum rheinhessischen, hatte, ist unstrittig. Der zweitgeborene Sohn eines Fabrikanten für Weinflaschenkapseln kam 1896 in Nackenheim zur Welt, am Ende eines Jahres, das er rückblickend ein „glücklicherweise gesegnetes Weinjahr“ nannte. Er wurde an einem Sonntag geboren – mit Hilfe einer Hebamme, die aus dem Wirtshaus herbeigeschleppt werden musste und „dank leichter Trunkenheit eine leichte Hand“ hatte. Ihm wurde der Wein quasi in die Wiege gelegt, mehr noch, ‚Zuck’ ließ sich von dem genussvollen und manchmal auch tröstenden Gefährten sein Leben lang begleiten. Sooft er die alte Heimat nach Verfemung, Exil, Ausbürgerung und Krieg besuchte, saß er in Mainz oder Nackenheim gerne in geselliger Runde beim Schoppen, ein Lebensgefühl, das auch in seinen fast euphorischen Gedichten wie der Weinblume und dem Ratschlag für gutes Trinken zum Ausdruck kommt. Obwohl sich der weitgereiste Autor in seinen neuen (Wein-)Heimaten durchaus eingelebt hatte, war ihm doch der rheinhessische Wein in Berlin, auf seinen Exiletappen Henndorf, Chardonne und New York oder später in Saas-Fee stets Bindeglied zu seiner Geburtsheimat. Auch jenseits des Fröhlichen Weinbergs und seiner Autobiografie Als wär’s ein Stück von mir finden sich in Zuckmayers Werken mancherlei Bezüge zu Wein und Rebe. Gelesen wurden ausgewählte Texte, etwa aus seinem Drama Des Teufels General, aus Briefen an Freunde, dem Roman Salwàre, seinem Singspiel Mainzer Umzug, aus Zeitungsartikeln sowie seiner Dankesrede Wein und Welt für die Verleihung des Weinkulturpreises (1955).

 

 

Feierstunde zum 40jährigen Jubiläum der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft

 

Die Carl-Zuckmayer-Gesellschaft (CZG) wurde am 10. März 1972 in Nackenheim gegründet. Wir hatten dies zum Anlass für eine kleine Feier und einen Rückblick auf die Anfänge unserer Gesellschaft genommen und für Samstag, 10. März 2012 um19:30 Uhr in das Ortsmuseum Nackenheim, Kirchbergweg 2 eingeladen.

 

Nach einer kurzen Einführung von Peter Krawietz (Präsident der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft) trug Dr. Robert Scheurer (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bodenheim) ein Grußwort vor. Es folgte Werner Baum (Vorsitzender des Vereinsrings, örtlicher Journalist und Chronist) mit einem Bericht, in dem seltene Tondokumente von Carl Zuckmayers Besuch in Nackenheim 1971 zu hören waren. Danach schlug Günter Ollig (Altbürgermeister und maßgeblicher Gründer der CZG) in seinem Bericht einen Bogen von der Aussöhnung mit Zuckmayer bis zur Gründung der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft. Anschließend berichteten vier langjährige Mitglieder in einer Diskussionsrunde über Zuckmayer Nackenheimer Verbindungen nach 1945 sowie die Gründung und Anfangsjahre der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft. Zu Wort kamen nicht nur die Gründungsmitglieder Jakob Binz und Erwin Kerz, sondern auch Bernie Dumont und Heinz-Otto Grünewald. Die drei Letztgenannten sind allesamt Ensemblemitglieder seit 1972, wobei Herr Grünewald später auch als Autor für die Carl-Zuckmayer-Gesellschaft tätig war. Das Schlusswort sprach Rainer Knußmann (Leiter des Nackenheimer Ortsmuseums).

Anna Seghers, Carl Zuckmayer und ihre Heimaten
Eine szenische Lesung mit Stefanie Lattreuter, Harald Müller und Herbert Steinbauer (Carl-Zuckmayer-Gesellschaft) sowie Christina Schreiber (Anna Seghers-Gesellschaft) in der Reihe "Rheinhessen liest"
14. November 2011, Weingut Heise am Kranzberg, Nierstein

 

Der Blick auf die Heimat war bei den beiden aus Rheinhessen gebürtigen Schriftstellern, die sich während der Heidelberger Studienjahre persönlich kennen gelernt und über ihre Bücher auch später nicht völlig aus den Augen verloren hatten, kein rheinromantischer, sondern ein anschaulich-realistischer. Beide erlebten ihren literarischen Durchbruch im Berlin der 20er Jahre, beide emigrierten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme zunächst in europäische Nachbarländer, später nach Mittel- bzw. Nordamerika. Als verbotene Schriftsteller gebrandmarkt schrieben sie im Exil weiter in ihrer Muttersprache, selbst bei immer geringeren Publikationsmöglichkeiten. Bei beiden gab es eine Heimat in der Sprache, auch eine Heimat in der Geburtslandschaft, die trotz Verbundenheit mit den wechselnden Exilorten in der Tiefe der Erinnerung überlebte. In ihren Werken blieb neben dieser Rückbesinnung zudem Raum für die Auseinandersetzung mit der politischen und gesellschaftlichen Realität des „Dritten Reiches“, auch nach ihrer jeweiligen Rückkehr in den deutschsprachigen Raum nach 1945.

 
»Vom selben Flecken Erde, Kinder desselben Gottes«. Aspekte einer „rhein-hessischen“ literarischen Freundschaft
zwischen Carl Zuckmayer und Hans Schiebelhuth
11. November 2011, Haxthäuser Hof, Nierstein

 

»Unsere Liebe hörte niemals auf, er war der dritte Sohn meiner Eltern, ein Gespiele unserer Töchter, ein Hausgenosse in Henndorf und ein Trost im Exil, in dem er fast der Einzige war, mit dem ich über Deutschland so sprechen konnte und so verstanden wurde, wie ich empfand.«  So beschreibt der in Nackenheim geborene und in Mainz aufgewachsene Carl Zuckmayer rückblickend das Verhältnis zu seinem beinahe gleichaltrigen, 1895 in Darmstadt geborenen Dichterkollegen Hans Schiebelhuth, der ihm zu Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn geraten hatte: »Lern sehen, lern lesen, lern schreiben. Mehr brauchst du nicht.« Auf der Grundlage ihrer langjährigen, leider nur recht lückenhaft überlieferten Korrespondenz beleuchtete die szenische Lesung der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft schlaglichtartig die produktive, herzliche und von Humor getragene Freundschaft von den gemeinsamen expressionistischen Anfängen bis hinein in die Jahre des amerikanischen Exils. Das auf Einladung des Niersteiner Geschichtsvereins von Dr. Susanne Buchinger zusammengestellte und den CZG-Ensemblemitgliedern Ute König, Stefanie Lattreuter, Harald Müller und Herbert Steinbauer vorgetragene Programm gewährte anhand ausgewählter Briefzitate, Gedichte und Prosatexte Einblicke in das zu Unrecht fast vergessene dichterische Werk von Hans Schiebelhuth und brachte – rechtzeitig zum bevorstehenden 115. Geburtstag – einen weniger bekannten, sehr authentischen Zuckmayer zu Gehör.

 
Zuckmayers Weinwelten
Eine literarische Weinprobe bei "Kultur um 8"
15. März 2011, Weingut Leonhard, Nierstein

 

Die Carl-Zuckmayer-Gesellschaft veranstaltete eine Weinprobe besonderer Art. Zu Gast beim Niersteiner Weingut Leonhard bot sie Auserlesenes aus Zuckmayers literarischem Werk und dazu abgestimmte Kostproben aus dem Leonhardschen Keller. Das Thema klingt zunächst nach ausgetretenen, wohlbekannten Pfaden. Die CZG, vertreten durch Peter Krawietz, Stefanie Lattreuter und Jochen Stiller, hatte jedoch in einer gut einstündigen szenischen Lesung unter Beweis gestellt, dass es neben der populären Weinpoesie auch unbekanntere, reizvolle Texte des Schriftstellers rund um den Wein zu entdecken gibt.   

 
 
Eine Gedenkstunde für Wolfgang Ohm (1924-2010)
15. Oktober 2010, Kelterhalle St. Gereon, Nackenheim

Menschen, die wir lieben, sterben nicht. Sie sitzen an unserem Tisch und gehen durch die Stuben. Sie trinken aus unserem Glas, und in der Stille können wir sie hören. (Carl Zuckmayer) 

Die CZG hatte Sie herzlich eingeladen zu einem Gedenkabend, gestaltet in Erinnerung an Wolfgang Ohm. Unser langjähriger Präsident, Ehrenpräsident und Regisseur des Nackenheimer Freilichttheaters war am 16. Juni 2010 verstorben. Wir zeigten filmische Kostproben aus seinen vielgelobten Zuckmayer-Inszenierungen (darunter aus dem "Fröhlichen Weinberg") und Ausschnitte aus seinen (Fernseh-)Moderationen. Außerdem trugen wir Textpassagen aus seinen eigenen Theaterstücken und seinen 'Bekenntnissen zu Zuckmayer' vor, um das breite fachliche Spektrum des Regisseurs und Zuckmayer-Enthusiasten nochmals in Erinnerung zu rücken. 

  

"Heimatversuche". Zur Emigration und Rückkehr deutscher Schriftsteller in den dreißiger und vierziger Jahren
veranstaltet von der Akademie des Bistums Mainz in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz sowie der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz 
07.-08. Mai 2010, Mainz, Haus am Dom

(u. a. Vier oder fünf 'Heimaten' Carl Zuckmayers? von Dr. Susanne Buchinger und Herbert Steinbauer) 

 

Wer aus- und einwandert, sei es freiwillig oder erzwungenermaßen, der verlässt und verliert, was ihm bisher Heimat war: den Ort der Herkunft, das vertraute soziale und berufliche Umfeld, die Sprache – und somit das, womit und worüber er sich bislang identifiziert hat. An Heimat denkt er als etwas Verlorenes: es ist etwas, was nicht mehr ist. Dies veranlasste einige Autoren zu der Aussage, dass nur die Poesie der Exilierten adäquat beschreiben könne, was Heimat sei. Diese These griff die Tagung auf und widmete sich Exilautoren wie Anna Seghers, Rudolf Borchardt oder Thomas Mann, die während des NS-Regimes u. a. in die Vereinigten Staaten emigrierten. Was ist für sie Heimat während des Exils? Besteht für sie Heimat im Sinne des Verlorenen und des Nicht-Mehr, oder vielmehr in dem Sinne des Zukünftigen, dessen, wonach man sich sehnt, also als ein Noch-Nicht, wie dies Bloch in seinem „Prinzip Hoffnung“ erarbeitet? Ist Heimat etwas, was man verlieren kann – oder, wie Carl Zuckmayer sagte, dass Heimat letztlich unverlierbar sei, da die Kunst Heimat sei? Gelingt es ihnen, sich in den USA zu beheimaten? Und werden sie nach dem Krieg erneut in Deutschland heimisch? Die Tagung wandte sich den genannten und weiteren Autoren in ihren Werken und Briefen zu und stellte diese vor. Sie ging ihrem Verständnis von Heimat auf die Spur, bewusst vor dem Hintergrund unserer gesellschaftlichen Situation, in der die Integration Emigrierter notwendig ist, und die Bindung an einen Ort und eine Nation, wie es das romantische Verständnis von Heimat beinhaltete, durch eine globale Welt in Frage gestellt ist. 
 

 
"Der andere Zuckmayer". Carl Zuckmayer in seinen Briefen. Eine Lesung der CZG
04. März 2010, MVB-Forum (Wiederholung am 18. März 2010)

 

Carl Zuckmayer war ein unermüdlicher Korrespondenzpartner. Wenn er seinem Freund Albrecht Joseph über Ideen zu einem neuen Stück berichtete, kamen dabei schon mal Briefe von deutlich mehr als zehn Seiten heraus. Und dies nicht etwa nur deshalb, weil er die Blätter großzügig per Hand beschrieben hätte. Nein, solche Briefe schrieb er auf der Schreibmaschine mit einzeiligem Zeilenabstand. Viele dieser Briefe sind mittlerweile in archivierten Nachlässen zugänglich, eine Reihe von Briefwechseln wurde inzwischen ediert, allen voran seine hinreißende Korrespondenz mit der Schauspielerin Annemarie Seidel und die mit seinem langjährigen Freund und zeitweiligen Mitarbeiter Albrecht Joseph. Eine Auswahl der besten Stücke, die einiges verraten, was Zuckmayer seiner Autobiographie wohlweislich nicht anvertraut hat, wurde von der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft im Rahmen eines literarischen Abends im MVB-Forum vorgestellt. Michael Ebling und Peter Krawietz lasen aus den teilweise noch unveröffentlichten Briefen des Schriftstellers, kommentiert wurde die Soiree von dem Zuckmayer-Experten Prof. Dr. Gunther Nickel, der auch die Textvorlage erstellt hat. Der Humor kam dabei nicht zu kurz, aber man erfuhr auch Überraschendes über Zuckmayers Einschätzung der politischen Entwicklung in Deutschland und Querelen hinter den Kulissen des Literaturbetriebs.

2009-2006

Carl Zuckmayer, Anna Seghers und ihre "Heimaten"

Literarische Soiree in Zusammenarbeit mit der Anna Seghers-Gesellschaft  

20. November 2009, Mainzer Rathaus

Am Vorabend der Jahresversammlung der Anna Seghers- Gesellschaft (Mainz und Berlin) fand eine szenische Lesung über den differenzierten Heimatbegriff der beiden aus Mainz gebürtigen, emigrierten und "heimgekehrten" Schriftsteller unter Mitwirkung von Ensemblemitgliedern der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft statt.

 

Vom selben Fleck Erde, Kinder des selben Gottes.

Eine rheinhessische Freundschaft

04. November 2009 im ErbFrey Hof in Eckelsheim 

in der vom SWR organisierten Veranstaltungsreihe "Rheinhessen liest" sind Ensemblemitglieder der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft mit einer von Dr. Susanne Buchinger konzipierten szenischen Lesung aufgetreten. Vorgetragen und kommentiert wurden Auszüge aus Zuckmayers langjähriger Korrespondenz mit dem Darmstädter Dichter Hans Schiebelhuth (1895-1944).

 

 

Fröhlicher Weinberg  in der Zitadelle Mainz
21./22. August 2009

Nach der überaus gelungenen Open-air-Premiere 2008 mit der Aufführung des Schinderhannes präsentierte die CZG im Sommer 2009 erstmals das Lustspiel Der fröhliche Weinberg vor der herrlichen Naturkulisse des Drusussteins. Diese im rheinhessichen Dialekt verfasste, in Milieu- und Figurenzeichnung treffsicher formulierte und von überschäumender Lebensfreude getragene Komödie wurde 1925 Zuckmayers erster großer Bühnenerfolg und in Mainz abermals unter der bewährten Regie von Hartmut Schottler inszeniert. Die Initiative Zitadelle Mainz e. V. fügt mit diesen CZG-Veranstaltungen dem Kulturdenkmal Zitadelle eine neue Facette hinzu und wirbt gleichzeitig für den Erhalt des für Mainz bedeutenden Baudenkmals. Vereinbart ist, dass die CZG auch in Zukunft mit Theateraufführungen und szenischen Lesungen in der Zitadelle präsent sein wird.

 

CZG im Kultursommer 2009
Bunbury  von Oscar Wilde

15., 16., 22., 23., 29. und 30. Mai 2009 im Weingut Gunderloch, Nackenheim

"Cool Britannia" – passend zum Motto des diesjährigen Kultursommers Rheinland-Pfalz hat die CZG eine englischsprachige Komödie in deutscher Übersetzung auf den Spielplan gesetzt. Das Theaterstück Bunbury oder Ernst sein ist alles des irischen Schriftstellers Oscar Wilde (1854–1900) lebt von turbulenten Verwicklungen und vom Spiel um die Doppeldeutigkeiten von Namen und Personen. Inhaltlich geht es darum, dass zwei Freunde aus ihrem gewohnten Leben ausbrechen wollen. Der eine ist ein verarmter, aber stilbewusster Tagedieb, der andere ein zwar vermögendes, aber ständig um Anerkennung buhlendes Findelkind. Sie schlüpfen in eine neue Identität und bringen damit nicht nur ihre Familien, sondern auch ihre Damen des Herzens in Verwirrung. Wildes letzte und populärste Komödie kommt als witziges Pointen-Feuerwerk daher. Zugleich ist sie eine beißende Satire auf die als zynisch, oberflächlich und geldgierig charakterisierte englische Upperclass und ein Lustspiel rund um die Liebe. Dabei faszinieren die typisch englischen geistvollen Dialoge, die ebenso skurrilen wie einprägsamen Typen und der brillante Sprach- und Wortwitz – allesamt Gründe, die das Theaterensemble der CZG unter der Regie von Harald Müller bewogen hat, diesen Komödienklassiker von 1895 ambitioniert umzusetzen.

 

 

Die Augenzeugin Maria von Magdala, Katharinenkirche in Oppenheim
08. März 2009

Der Regisseur Wolfgang Ohm, Ehrenpräsident der CZG, hat sich in seinem 2004 in Mainz uraufgeführten Monolog intensiv mit der biblischen Gestalt der Maria Magdalena beschäftigt, die im Evangelium wie die anderen Frauen um Jesus nur eine Statistenrolle spielt, obwohl ihr als erste der Auferstandene erschienen war. In Ohms Theaterstück geht es nicht nur um die angemessene dramaturgische Umsetzung des Stoffes, der Verfasser verbindet damit auch ein kirchenpolitisches und gesellschaftliches Anliegen, die bereits im Evangelium angelegte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Schauspielerin Madeleine Vermont faszinierte erneut mit ihrer sprachlichen wie gestischen Wandlungsfähigkeit und ließ nicht nur die mutige Hauptfigur lebendig werden, sondern beleuchtete in einem fiktiven Augenzeugenbericht weitere Gestalten der Bibel. Kurz: eine gelungene Inszenierung in der Oppenheimer Katharinenkirche am Internationalen Weltfrauentag.

 

 

CZG in Carl Zuckmayer-Realschule, Nierstein
31. Januar 2009

Wer war eigentlich Carl Zuckmayer? Ensemblemitglieder der CZG bemühten sich, diese häufiger gestellte Frage am Tag der offenen Tür für Niersteiner Schüler, Eltern und Lehrer möglichst kurzweilig zu beantworten. Sie gaben einen Einblick in Leben und Werk des Schriftstellers und Namenspatrons dieser Schule. Dabei ließen sie insbesondere Zuckmayers eigene Schulzeit in Mainz um die Jahrhundertwende in Form von Schulanekdoten wieder aufleben und spielten Szenen aus den Theaterstücken Der fröhliche Weinberg und Katharina Knie.

 

 

CZG zu Gast im Kulturforum der Mainzer Volksbank
13. November 2008

Die szenischen Lesungen der CZG haben sich mittlerweile zu einer festen jährlichen Größe im MVB-Veranstaltungskalender etabliert. Die CZG bedankt sich beim Kulturforum der MVB herzlich für das Angebot und wird diese Plattform gerne nutzen, um weitere reizvolle Zuckmayer-Texte in einem gelungenen Rahmen vorzustellen. Sie kann inzwischen auf vier erfolgreiche Veranstaltungen zurückblicken:

"Zuckmayer und Freundschaften"

"Denke ich an die hellsten und an die schwärzesten Stunden in meinem Leben und im Leben derer, die mir nahstanden, so ist die Freundschaft wie ein festes, sichtbarliches, unzerreißbares Band hindurchgeschlungen." Es verwundert nicht, dass Carl Zuckmayer ganz bewusst den Vers "Als wär’s ein Stück von mir" aus Ludwig Uhlands Gedicht „Der gute Kamerad" zum Titel seiner 1966 publizierten Autobiografie, aus der dieses Zitat stammt, wählte – und als Untertitel Horen der Freundschaft. Die Literaturwerkstatt der CZG und Dr. Susanne Buchinger blätterten in Zuckmayers Buch der persönlichen und literarischen, der echten wie der Zweck-Freundschaften. Im Rahmen einer kontrastreichen Lesung mit eingewobenen Briefstellen und Erinnerungsdokumenten traten prägnante, ganz unterschiedlich geartete Freundschaften zutage. Neben den frühen zu Dichtern wie Bert Brecht oder Joachim Ringelnatz ging es um die politisch unruhigen, aber glücklichen Henndorfer Jahre. Dort, nahe Salzburg, hatte Zuckmayer 1926 die idyllische „Wiesmühl" erworben und war 1933 mit seiner Familie ganz übersiedelt, dort pflegte er seine literarischen Freundschaften mit Ödön von Horváth, Albrecht Joseph, Hans Schiebelhuth und Stefan Zweig sowie den Schauspielern Emil Jannings und Werner Krauß. Zudem flossen späte Verbindungen wie die zu dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz oder dem Maler Oskar Kokoschka in das Programm ein, das aufgrund der enormen Publikumsresonanz vor beinahe 300 Zuhörern in der Hechtsheimer Gemeindehalle in Szene gesetzt wurde.

 

Fröhlicher Weinberg  in Bensheim
31. Oktober 2008

Auf Einladung des Kulturamtes der Stadt Bensheim und der Kolping-Familie gastierte das Theaterensemble der CZG erstmals an der Bergstraße. Mehr als 450 Zuschauer sahen im ausverkauften Park-Theater Bensheim den Fröhlichen Weinberg.

 

Schinderhannes auf der Mainzer Zitadelle
02. August 2008

Dieses in Legenden eingesponnene Bild des charismatischen Hunsrücker Räuberhauptmannes Johannes Bückler, genannt „Schinderhannes", und seiner Bande übernahm Carl Zuckmayer in sein bis heute populäres Drama im heimischen Dialekt. Er schuf einen vitalen Draufgänger, einen, der lebt und liebt, wie es ihm passt, der die Obrigkeit verachtet und – ganz in Heldenmanier – eines unnatürlichen Todes stirbt. Der Aufführungsort am Drususstein hätte dabei nicht malerischer und geschichtsträchtiger gewählt werden können, liegen doch Kerker im Holzturm und Hinrichtungsstätte auf der Favorite nur einen Steinwurf davon entfernt. Die kraftstrotzende, sinnenfreudige Freiluft-Aufführung des „Schinderhannes", eine Kooperation des Theaterensembles der CZG (unter der Regie von Kurt Feyerabend) mit der Initiative Zitadelle e. V., begeisterte die mit 285 Zuschauern ausverkaufte Zitadelle.

 

"Begegnungen" (2007)

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte der Begriff „Begegnung" in Philosophie, Theologie und Pädagogik der Bundesrepublik eine erstaunliche Karriere. Man bezeichnete mit ihm das wesentliche Erfahrungen vermittelnde existenzielle Zusammenkommen zweier Menschen und sah ihn als ein Schlüsselwort zur Bewältigung der allgemeinen Krise an. Mit Nachdruck hat auch Carl Zuckmayer diesen Begriff verwendet. Es ist darum nicht erstaunlich, dass sein autobiografisches und dichterisches Werk eine Fülle von ernsten und heiter-komischen „Begegnungen" enthält. Dichterkollegen wie Bertolt Brecht oder Joachim Ringelnatz spielen darin eine besondere Rolle. Die interessantesten dieser Treffen wurden, mit kurzen Erklärungen versehen, in szenischer Lesung mit Ensemblemitgliedern der CZG und einem Kommentar von Prof. Dr. Erwin Rotermund, vorgestellt. Die Resonanz war so groß, dass die Veranstaltung in den Fürst-Bismarck-Saal auf dem ehemaligen Kupferberggelände verlegt wurde.

 

"Zuckmayer und Gertrud von Le Fort" (2006)

Nach der gut besuchten ersten Veranstaltung 2005 über Zuckmayers Leben und Werk war die CZG im September 2006 zu zweiten Mal Gast im Forum der Mainzer Volksbank. In Form einer szenischen Lesung der CZG, zusammengestellt von Prof. Dr. Erwin Rotermund, wurde den zahlreich erschienenen Zuschauern ein bisher unbekanntes Stück Literatur- und Zeitgeschichte der 50er bis 70er Jahres des vorigen Jahrhunderts präsentiert. Obwohl Carl Zuckmayer und Gertrud von le Fort seinerzeit zu den repräsentativsten und bekanntesten Autoren der Bundesrepublik zählten, wusste man über ihre Freundschaft bisher nur wenig, da ihr jahrzehntelanger, relativ vollständig erhaltener Briefwechsel bislang unveröffentlicht geblieben ist. Diese erste öffentliche Lesung ließ das literarisch-politische Gespräch Carl Zuckmayers mit der 20 Jahre älteren Autorin wieder lebendig werden und nach den tieferen, auch religiös motivierten Gründen für diese besondere Freundschaft fragen. Außerdem spielten regionale Bezüge wie der Mainzer Dom oder die Turbulenzen um die Mainzer Studentenzeitschrift Nobis eine Rolle.